Mitteldeutsche Zeitung: Wache am Impfzentrum

MARIO KNEERICH - Vor welche Herausforderungen der Sicherheitsmitarbeiter bei seiner Arbeit in Zorbau gestellt wird

ZORBAU/MZ - Viele Senioren aus dem gesamten Burgenlandkreis kennen ihn: Mario Kneerich. Der 55-Jährige aus Merseburg und weitere Mitarbeiter des Unternehmens „City-Schutz“ aus Naumburg sind derzeit täglich am Impfzentrum des Burgenlandkreises in Zorbau anzutreffen. Sie haben die Zutrittskontrolle übernommen, prüfen die Einladungen der über 80-Jährigen und gleichen deren Impftermine mit den ihnen vorliegenden Listen ab. Nachts sichern die Mitarbeiter das Gebäude, damit niemand sich dort Zutritt verschafft.

Mario Kneerich und das Team kommen so derzeit ganz nah an die Menschen heran. Immer wenn ein Senior am Zentrum halte, und das geschehe zeitweise im Sekundentakt, sei Sensibilität gefragt, macht Unternehmenssprecher Lars Resenberger klar, der an diesem Tag ebenfalls vor Ort ist. Manche bitten gleich um Hilfe, zeigen auf den Rollstuhl in ihrem Pkw und erklären, dass sie es körperlich einfach nicht schaffen, die Strecke vom 150 Meter entfernten Parkplatz bis zum Impfzentrum zu erreichen. Für sie werde versucht, einen näher gelegenen Parkplatz zu finden und außerdem werde bei Bedarf die Bundeswehr informiert, die beim Betrieb des Impfzentrums ebenfalls Hilfe leistet. „Sie bekommen hier außerdem ganze Lebensläufe erzählt, von Flucht, von Krieg, von Krankheit“, sagt Resenberger über seine Mitarbeiter.

Diesen Menschen müsse mit Freundlichkeit begegnet werden. Ihnen werde gesagt, dass sie jetzt mit dem Impfen an der Reihe seien und sie das hier auch noch schaffen. Mancher erscheine durchaus auch zu früh und dann müsse erklärt werden, dass sie sich noch gedulden müssen. Keine einfache Angelegenheit für die alten Menschen. „Wir bitten
sie dann, in ihren Autos zu warten, bis sie an der Reihe sind. Wichtig ist bei dieser Arbeit vor allem, dass wir auf jeden der Männer und Frauen individuell eingehen“, sagt Lars Resenberger. „Wir begegnen hier schließlich der Generation unserer Eltern und Großeltern.“

Dieser direkte Kontakt ist es, der Mario Kneerich an dieser Arbeit fasziniert, die er noch bis vor zwei Jahren in Berlin ausübte. Dort hatte es ihn als jungen Mann von seiner Heimatstadt Merseburg aus hingezogen. Vor zwei Jahren brauchten die Eltern zunehmend mehr Hilfe und so kehrte Mario Kneerich zurück. Schwer fiel ihm das nicht, wie er lachend zugibt. „Die Welt konnte damals nicht groß genug sein, aber ich habe in den vergangenen Jahren alles erlebt, was ich erleben wollte“, sagt er. Der Mann bewarb sich beim Naumburger Unternehmen und wurde genommen. So gehört Mario Kneerich nun zum 1.200 Mann starken Team, das hauptsächlich Aufträge zur Objektsicherungen in ganz Deutschland übernimmt. „Diese Arbeit ist sehr vielschichtig und wir müssen uns immer wieder auf neue Situationen einstellen können“, erklärt der dreifache Familienvater, warum er seinen Beruf so liebt.

Text und Bild von ANDREA HAMANN-RICHTER

(Erschienen: MZ am 17.03.2021)